Wie ich Hundetrainerin wurde

Eigentlich lässt sich das ganz kurz und knapp erzählen: ich wurde Hundetrainerin aus der Not heraus.
Naja, ganz so dramatisch war es nicht, wenn auch trotzdem tränenreich.
Einige kennen die Geschichte vielleicht schon, ich erzähle sie auch ganz gern in Teilen in der Hundeschule.

Eigentlich hatte ich immer Angst vor Hunden, aufgrund ein paar bescheidener Erlebnisse. Innerhalb der Familie gab es ein paar Hundesportbegeisterte und so passierte es, dass ich dann doch mehr Kontakt zu Hunden hatte und auch das ein oder andere Turnier besuchte und meinen Cousinen zuschaute.
Trotz der negativen Erlebnisse mit Hunden, ließ mich das Thema nicht wirklich los und der Wunsch wuchs, einen eigenen zu haben.

Als ich mich damals für einen Hund entschieden habe, mir die Rasse wohl überlegt habe, mich auf die Suche begeben habe, zog Oskar ein.
Oskar, 2 Jahre jung, männlich, Australian Shepherd, hat wenig kennengelernt, völlig überdreht, ruhelos, Balljunkie.

Was ist Glück?

Wenn die Tränen des Schmerzes von den Tränen der Freude fortgespült werden.

(Horst Seibold)

Das Glück war lange nicht spürbar. Ganz schnell stellte sich Ernüchterung ein und es gab mehr als einmal die Situation, dass ich weinend am Küchentisch saß, mit den Worten, dass ich diesen Hund wieder wegbringe.
Rückblickend kann ich sagen, dass mit dem Wissen von heute dieser Hund auch nie eingezogen wäre. Ich, als Ersthundebesitzerin, zwar engagiert und bemüht zu lernen und umzusetzen und Oskar, waren keine gut überlegte Kombination.

Wie ich Hundetrainerin wurde
Immer on Tour, immer in Aktion – Dinge, die anfangs völlig falsch liefen

Oskar kam als „Second-Hand-Hund“ zu mir, er war eine Privatabgabe. Er hat es von klein auf an, nie gelernt zur Ruhe zu kommen. Außerdem war davon auszugehen, dass er auch sonst nicht all zu viel kennenlernen durfte, weder seine Umwelt, noch Regeln des Zusammenlebens. Was er aber sehr gut kannte, war sein Ball. Der Ball hatte so eine Bedeutung für ihn, dass er dafür alles andere ausgeblendet hat. Oskar war ein Balljunkie, durch und durch.

Es wurde alles angebellt, was er nicht kannte, ob es der Nachbar von nebenan war oder die Müllsäcke, die regelmäßig zur Abholung bereit standen. Von Hundebegegnungen mal ganz zu schweigen. Oskar war immer Mr. 1000 Volt. Geschlafen wurde lediglich nachts und das auch nur, weil ich geschlafen habe und sich auch sonst nichts gerührt hat.

Wie ich Hundetrainerin wurde
Oskar und sein Ball, aus Unwissenheit, hatte ich sein Junkie-Verhalten damals zunächst noch gefördert.

Ich wäre nicht ich, wenn…

… ich so leicht aufgeben würde. Mich hat das Thema Hund vorher schon interessiert und ich habe auch vor Einzug von Oskar schon einiges an Büchern und Informationen verschlungen. Die Situation mit diesem Hund spitzte sich zu, war wirklich mehr als anstrengend und ich brauchte Hilfe. Ich suchte eine Hundetrainerin auf, einen Hundeverein und mehrere Hundeschulen. Einige Stationen davon passten einfach nicht zu uns, wir machten gute und schlechte Erfahrungen und ich fühlte immer mehr, dass ich da noch mehr selbst ran muss. Das Interesse an dem Thema wuchs, ich wollte einfach auch mehr, vor allem aber Erleichterung.
Es musste einfacher werden. Entspannter für uns beide.

Ich hatte doch meine romantische Vorstellung von Spaziergängen im Sonnenuntergang. Die Seele in der Natur baumeln lassen, blindes Vertrauen und eine stille, feine Kommunikation, wenig Worte. So mit ganz viel Glitzer und so.

Wenn man sich nicht mehr wohl fühlt

Sollte man aussteigen! Somit war ein weiterer großer Punkt, neben Oskar, dass ich mich damals absolut nicht mehr in meinem Beruf wohl gefühlt habe.
Ich bin gelernte Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Ein Job, in dem man viel mit Menschen zu tun hat, in dem man organisieren muss, in dem Stress an der Tagesordnung steht.

Eigentlich ein echt toller Beruf, dessen Anforderungen im Tätigkeitsbereich für mich auch nicht das Problem waren. Im Gegenteil. Was mich hingegen wirklich sehr gestört hat, war das Zwischenmenschliche. Es gab so einige Dinge, mit denen ich mich nicht mehr identifizieren konnte und die ich so auch nicht mehr hinnehmen wollte.
Auch das war ein langer Weg, hin zu der Entscheidung auszusteigen und Hundetrainer zu werden. Einfach seinen Job hinzuschmeißen, möchte wohl überlegt sein. Gerade für jemanden wie mich, dem Sicherheit sehr wichtig ist.

Ausbildung zur Hundetrainerin
Ein Bild aus der Hundetrainerausbildung. Wir durften uns gegenseitig anleiten. Spannend war auch, nicht den eigenen Hund an der Hand zu haben.

Ausbildung zur Hundetrainerin

Gefühlt endlose Recherche darüber, wo ich mir Wissen auf dem Weg zum Hundetrainerin aneignen möchte lag hinter mir. Es stand fest, ich mache nebenberuflich eine Ausbildung. Bei mir vor Ort gab es einen der größeren Anbieter, bzw. Ausbilder für Hundetrainer, Ziemer & Falke.
Quasi direkt vor der Haustür konnte ich so in die Welt des Hundetrainings einsteigen und Wissen aufsaugen. Meine Ausbildung zur Hundetrainerin begann.

Bis ich letztlich die endgültige Entscheidung gefällt hatte, dass ich mich ausbilden lassen wollte, sind bestimmt noch einmal 2 Jahre vergangen. Zweifel haben mich geplagt und mir fehlte auch irgendwo der Mut, die Ausbildung ist zudem auch nicht gerade günstig.
Auch wenn ich mich in meinem bisher ausgeübten Beruf schon lange nicht mehr wohl gefühlt habe, brauchte die Entscheidung die Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen einfach noch Zeit.

Hätte mir damals jemand gesagt

Das ist Hundetrainerin werde würde. Ich hätte ihn ausgelacht. War ich doch diejenige, die gebissen wurde und auch diejenige, die Angst hatte. Ich war diejenige, die nicht wirklich viel mit Hunden zu tun haben wollte und immer ein Bogen drum herum machte.

Wie sich die Dinge ändern.

Heute kann ich mir nichts schöneres mehr vorstellen. Ich habe das Hamsterrad verlassen und bin meinem Traum gefolgt. Ich liebe es, auch weiterhin alles, was das Thema Hund so mit sich bringt aufzusaugen, mich fortzubilden, mich auszutauschen.
Ich kann Hundehaltern meine Sicht auf ihren Hund nahebringen. Ich kann ihnen zeigen, was mir im Hundetraining wichtig ist.

Wie ich Hundetrainerin wurde

Wie ich Hundetrainerin wurde
Wie ich Hundetrainerin wurde
Ich liebe meinen Job. Ich darf so viele unterschiedliche Menschen und Hund kennenlernen, da wird es nie langweilig. Hundetraining ist die Arbeit mit dem Menschen. Ich leite an, seinen Hund besser zu verstehen.

Der Anfang war Oskar

Es folgten Jack, Mira, Happy und Janosch. Zu all meinen Hunden hatte und habe ich eine Verbindung. Aber die zu meinem aller ersten Hund, zu Oskar, dass war eine ganz besondere.
Ich durfte lernen, Erfolge feiern, aber auch Rückschläge einstecken, ich lernte viele Menschen kennen und das schönste:

Seit ein paar Jahren nun, darf ich Menschen, auf ihrem Weg zu einem harmonischen Zusammenleben mit ihrem Hund begleiten, denn ich bin Hundetrainerin, mit Leib & Seele.

Mein Herz
Mein Herz.